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ENTFALTUNG DES ANFANGS. DIE FRÜHGRIECHISCHE PHILOSOPHIE UND IHRE BEDEUTUNG FÜR DIE THEOLOGIE

Nr: 402
Fach: ST
Art: Vorlesung
Semesterwochenstunden: 2
Dozenten: Usener, von Soosten
Verwendbarkeit: AM ST, BM ST, WB, WM Ph
Termin: Zeit: 11.15-13.00 Uhr Termine: dienstags
Ort: Raum 3
Hinweise:

Inhalt

Von Soosten: Sollen wir künftig das Denken einer Künstlichen Intelligenz überlassen? Ein aktueller Bestseller „Homo Deus“ (Yuval Noah Harari, 2015) zeigt uns die Richtung einer digitalen Welt an, an wir nur noch an Daten zappeln. Droht uns im Zeichen von Big Data die „Rückkehr nach Babylon“? Wenn sich Wahrheitsfragen nur noch im Algorhythmus von JA /Nein Stellungnahmen bewegen, wenn nur noch die bloße Quantität von Informationen über unsere Formen der Welterkundung und Wahrheitssuche entscheidet, dann bekommen wir eine Welt jenseits von Freiheit und Würde. Bleiben noch Alternativen? Humanität beginnt mit der Frage nach dem, was denn die Welt im Ganzen wirklich ausmacht, diesseits von Bonuspunkten für gutes Verhalten, Quantifizierung von Wahrheitsfragen und digitaler Steuerung der Gesellschaft. Überhauptfragen nach dem Ganzen von Welt bilden eine der Gründungsurkunden von Europa. Wir finden diese Urkunden in den sogenannten „Fragmenten der Vorsokratiker“. Die Vorlesung versucht, in einem philologischen wie systematischen Kommentar (Dialogvorlesung) einen Zugang zu diesen Urkunden (meistens Rätselsprüche) und den Spuren in der Denkgeschichte Europas zu eröffnen. Unsere Ambition besteht darin, angesichts der allerneuesten Welt (Digitalisierung) das Gedächtnis an den Aufbruch und die Anfänge des Denkens präsent zu halten. „Ach Freunde! Wir müssen auch die Griechen überwinden.“ Ist das wirklich wahr? Wer kennt diese Welt? Die Vorlesung verhilft zu einer ersten Spurensuche. Es wird für mich selbst eine Exkursion in leider nur noch „gefühlte“ Griechischkenntnisse bilden. Usener: „Im Anfang war das Wort!“ – „Am Anfang war die Tat“ – „Am Anfang war die Luft!“ – „Am Anfang war das Wasser!“ – „Am Anfang war das Grenzenlose!“ – „Am Anfang gab es einen großen Knall“: Wir wollen Licht in das Dunkel dieser widersprüchlichen Aussagen bringen und der Frage nachgehen, wie sich unser geistiges und geistliches Leben aus den Anfängen unseres westlichen Denkens entfalten lässt. Wir – das heisst, dass es eine Dialog-Vorlesung sein wird: Herr von Soosten (siehe seinen Kommentar zu dieser Gemeinschaftsveranstaltung!) und ich wollen aus verschiedenen Perspektiven und mit unterschiedlichen Gewichtungen ein Themen-Ganzes ergründen und in seiner Vielfalt verstehen lernen und verstehen lehren. Daher gibt es zwei Kommentare zu ein und derselben Vorlesung: Diese zwei differenten und doch auf das gleiche Sujet gerichteten Zugangsweisen präformieren sich bereits in den beiden Kommentaren… Sprechen die Menschen, die diese widersprüchlichen Aussagen verantworten, überhaupt über den gleichen Sachverhalt? Was ist der Anfang, und wie kann man dieser unlösbaren Frage auf den Grund gehen? Unsere abendländische Philosophiegeschichte beginnt mit einem ebenso verwegenen wie großartigen, ebenso skandalösen wie versöhnlichen Versuch, das zu erklären, was bis heute nicht erklärbar ist. Nicht erklärbar – nun ja, im naturwissenschaftlichen Diskurs jedenfalls gibt es immer wieder neue Ansätze, die jüngst erst Vergangenes obsolet macht. Kopernikanische Wende, mechanistisches Weltbild, Wellentheorie. Viele Stichworte wären hier zu einzelnen Theorien und Systemen zu nennen, die das physikalische Weltbild immer wieder neu entworfen haben. Aber um diese vertrackten Probleme überhaupt erst zu erkennen, muss man erst einmal solche Grundfragen aufwerfen und Grundthesen formulieren. Grundthesen des Anfangs sollten es sein … Eine These provoziert sodann den Widerspruch und eine neue These, und jede These muss den philosophisch-logischen Härtetest bestehen. Doch Thesen und Härte-Tests fallen nicht vom Himmel, sie müssen er- und gedacht werden. Wie das gehen kann, welche Voraussetzungen zugrunde liegen und welche Probleme damit verbunden sind, soll im ersten Schritt ergründet werden. Im zweiten Schritt kommt dann die naheliegende Frage, was das Christentum mit diesen Theorien anfangen kann. Ist da überhaupt etwas dabei, was für unser christliches Denken fruchtbar gewesen ist? Und worin konnte und kann der Nutzen bestehen? Können heutige Theolog*innen um diese Fragen herumkommen? Nun, wenn sie das könnten, wäre diese Veranstaltung nicht interessant. Schöpfung – Grundfragen unserer Existenz – die Frage nach dem Wesen, das höher ist als wir: Das sind gleichsam ein paar von den Strahlen, die uns heute von der Sonne des Anfangs in das strebende Licht nach Erkenntnis tauchen.

Literatur

Capelle, Wilhelm ([1973] c1968): Die Vorsokratiker. Die Fragmente und
Quellenberichte. [8. Aufl.]. Stuttgart: Kröner (Kröners Taschenausgabe,
119).
Mansfeld, Jaap; Primavesi, Oliver (2012): Die Vorsokratiker.
Griechisch/Deutsch. Durchges. Nachdr. der … erw. Neuausg. 2011.
Stuttgart: Reclam (Reclams Universal-Bibliothek, Nr. 18971).
Weiterführende Literatur wird in der Vorlesung genannt.

Voraussetzungen

Anforderungen

Leistungspunkte

2 LP, Prüfungsmöglichkeit: mündliche Modulprüfung ST: 3 LP, Philosophikum
5 LP.

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