Die Geschichte der Feministischen Theologie an den Kirchlichen Hochschulen Wuppertal und Bethel beginnt avant la lettre bereits mit der Bekennenden Kirche. Dr. hc. Ilse Härter war eine der ersten Pfarrerinnen der BK, die 1943 ,voll‘ ordiniert wurden. Als Wissenschaftlerin der historischen Frauenforschung wurde sie 2006 von Kirchlichen Hochschule Wuppertal als Ehrendoktorin geehrt.

Die ökumenische Bewegung seit den 1950er-Jahren und die politischen Frauenbewegungen seit den 1970er-Jahren wurden zum Nährboden der Feministischen Theologie. Auf der Grundlage von Synodenbeschlüssen der Ev. Kirche in Westfalen (seit 1993) und der Ev. Kirche im Rheinland (seit 1991) verfügen die Hochschulen in Bethel und Wuppertal über eine lange Tradition und eigene Geschichte der Feministischen Theologie. 2007 fusionierten sie zur Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel, mit Theologie in Wuppertal und dem Institut für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement (IDM) in Bethel.

An der Kirchlichen Hochschule Bethel hatte seit 1998 eine westfälische Pfarrerin im Entsendungsdienst eine befristete 2/3-Stelle als wissenschaftliche Assistentin zur Lehre Feministischer Theologie inne. Als erste Pfarrerin wurde die Systematische Theologin Dr. Britta Jüngst entsandt. 2001 übernahm Dr. Ulrike Eichler die Assistenz, die seit von 2009 bis 2014 am Institut für Systematische Theologie der Ruhr-Universität Bochum angesiedelt war. Darüber hinaus wurden von der Kirchlichen Hochschule Bethel feministisch-theologische Lehraufträge in den anderen Disziplinen der Theologie erteilt.

An der Kirchlichen Hochschule Wuppertal lehrte Prof. em. Dr. Susanne Hausammann seit 1971 als Professorin für Kirchengeschichte. Sie forschte mit ihrer Sozietät jahrelang zu „Frauen im Kirchenkampf 1933-1945“. Feministisch-theologisch interessierte Studentinnen initiierten im Wintersemester 1984/85 die Einrichtung eines Frauenreferat, was 1997 zum Amt der Frauenbeauftragten führte. Ein wichtiger Schritt war auch die Etablierung feministisch-theologischer Lehraufträge seit 1988.

Im gleichen Jahr wurde eine zweite Professorin auf den Lehrstuhl der Praktischen Theologie berufen. Prof. em. Dr. Christine Reents arbeitete mit ihrer Sozietät zum Thema „Religionspädagoginnen im 20. Jahrhundert“. Als 1994 durch Sparmaßnahmen alle Lehraufträge gestrichen wurden, gelang es einigen engagierten Frauen, u.a. Prof. Reents, Katja Stößel, Dr. Ilka Werner und Dr. Mieke Korenhof, durch Spenden den Lehrauftrag für Feministische Theologie bis 1999 aufrecht zu erhalten.

2002 konnte die Feministische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal erstmals mit einer auf 6 Jahre befristeten „Dozentur für Feministische Theologie und theologische Frauenforschung“ institutionalisiert werden. PD Dr. Christine Globig hatte die Dozentur als Systematische Theologin bis 2009 inne und gründete 2003 die „Sozietät für Forschungsfragen zur Feministischen Theologie“, an der auch Pfarrerinnen und Theologinnen aus dem kirchlichen Dienst und in jüngerer Zeit auch Studentinnen und Studenten mitarbeiten.

2009 wurde die Dozentur in eine auf 6 Jahre befristete W1-Juniorprofessur umgewandelt und die Religions-, Missionswissenschaftlerin und Ökumenikerin Prof. Dr. Heike Walz berufen. Sie war 2004  Gründerin des ökumenischen „Netzwerks Geschlechterbewusste Theologie“ (www.netzwerk-ngt.org) für Frauen und Männer, die zu sämtlichen Geschlechterfragen querbeet in der Theologie in Dialog treten. Der Lehrstuhl für „Feministische Theologie und Theologische Geschlechterforschung“ arbeitet am Schnittpunkt von Gender Studies und interkulturellen und interreligiösen Fragen zu Theologie und Diakonie. Zusätzlich wurden feministisch-theologische Lehraufträge in anderen theologischen Fächern erteilt.

Seit 2007 setzten sich eine Gleichstellungsbeauftragte und eine Gleichstellungskommission dafür ein, geschlechterrelevante Fragen, Diversity und Familienfreundlichkeit voranzubringen. Mit dem Lehrstuhl von Prof. Walz organisierten sie seit 2009 jedes Semester sog. „Offene Abende“ zu gegenwärtigen Fragen von Gleichstellung, welche die Studentinnen und Studenten im Blick auf Kirche, Gesellschaft und Theologie bewegen. In der aktuellen Studienordnung ist festgelegt, dass alle Theologiestudierenden im Grund- und Hauptstudium jeweils eine Lehrveranstaltung im Bereich Feministische Theologie besuchen müssen.

Eine dauerhafte Institutionalisierung mit einer ordentlichen Professur für Feministische Theologie und Theologische Geschlechterforschung fehlt bislang. Im gesamtdeutschen Vergleich gehört die Kirchliche Hochschule Wuppertal-Bethel gleichwohl zu den herausragenden universitären Orten (Neuendettelsau, Berlin, Wuppertal-Bethel), an denen dieser profilgebende Lehrstuhl auf Forschung, Lehre und Hochschulleben ausstrahlt.

Prof. Dr. Heike Walz

Literatur:

Eichler, Ulrike, Bethel, in: Matthiae et al.(Hg.), Feministische Theologie. Initiativen, Kirchen, Universitäten – eine Erfolgsgeschichte, Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus, 2008, 263-267.

Korenhof, Mieke / Globig, Christine, Wuppertal, in: Matthiae et al. (Hg.), Feministische Theologie. Initiativen, Kirchen, Universitäten – eine Erfolgsgeschichte, Gütersloh, Gütersloher Verlagshaus, 2008, 261-263.

Walz, Heike, Gegen den Strom schwimmen. Feministische Theologie und Theologische Geschlechterforschung im samtenen Dreieck von Gesellschaft, Kirche und Wissenschaft, in: Wrogemann, Henning (Hg.), Theologie in Freiheit und Verbindlichkeit. Profile der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel, Neukirchen-Vluyn, Neukirchener Verlag, 2012, 183-211.

Suche