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75 Jahre Forschung und Lehre in Freiheit und Frieden

Am 31. Oktober 2020 jährt sich die Wiedereröffnung der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel nach dem Ende der Nazi-Diktatur zum 75. Mal. Lehrende und Studierende gedenken des Jubiläums in einem Gottesdienst. Denn die Freiheit für Forschung und Lehre ist weltweit wieder akut gefährdet.

Am 31. Oktober 1945 startete die Kirchliche Hochschule (KiHo) in Wuppertal einen Neuanfang. Dem morgendlichen Festgottesdienst in der Unterbarmer Pauluskirche folgte am Nachmittag die Eröffnungsfeier im Rotter Vereinshaus in der Rödigerstraße. „Es hat allerlei Mühe gekostet, in einer weithin zerstörten Stadt und unter den gegenwärtigen Lebensbedingungen die Theologische Hochschule in Wuppertal, die vor zehn Jahren bei ihrem ersten Entstehen von den damaligen Machthabern sofort verboten wurde, wieder ins Leben zu rufen“, sagte der damalige Leiter Otto Schmitz. „Aber wir haben die Zuversicht, dass die noch bestehenden Schwierigkeiten Schritt für Schritt behoben werden.“

Trotz aller Probleme: Erstmals wurde in Freiheit und Frieden an der KiHo Theologie gelehrt und erforscht. Am gleichen Tag nahm auch die Theologische Schule in Bethel ihren Lehrbetrieb wieder auf.

Die Kirchliche Hochschule ist die älteste wissenschaftliche Hochschule in Wuppertal. Sie wurde 1935 von Mitgliedern der Bekennenden Kirche gegründet – aus Widerstand gegen die nationalsozialistische Gleichschaltungspolitik, die das totalitäre Führerprinzip mit aller Macht auch in den theologischen Fakultäten der staatlichen Universitäten durchsetzte. Getarnt als Abteilung B der Theologischen Schule versuchten daher einige Dozenten und Studierende im Logenhaus in der (heutigen) Kolpingstraße, einen unabhängigen Lehrbetrieb aufzubauen, der christlichen Werten verbunden blieb. Kurz vor Weihnachten 1936 aber verbot die Gestapo den Unterricht – und beendete dieses mutige Abenteuer. Die Kirchliche Hochschule in Bethel wurde drei Jahre später geschlossen.

75 Studenten und zwei Studentinnen starteten ins Wintersemester 1945/46

Nach Kriegsende war die KiHo eine der ersten Hochschulen, die wieder öffneten. Schon am 4. Juni 1945 trafen sich Vertreter der Bekennenden Kirche in der Villa Halstenbach in Wichlinghausen, darunter die Barmer Pfarrer Johannes Schlingensiepen und Harmannus Obendiek, um den Neuanfang zu planen. Knapp zwei Wochen später entschied sich das vorläufige Kuratorium für das Missionshaus auf der Hardt als künftigen Standort. Und nachdem am 18. Oktober die Genehmigung durch die Militärregierung erfolgte, starteten am 1. November 75 Studenten und zwei Studentinnen ins Wintersemester 1945/46.

Seitdem hat sich die KiHo stark verändert. Während die Anfänge von Enge und Improvisation geprägt waren, entstand im Laufe der Jahre auf dem Heilligen Berg ein einzigartiger und moderner Campus, der die vier Grundpfeiler des Theologiestudiums Lehre, Forschung, Gemeinschaft und Glaube durch die kurzen Wege zwischen Hörsälen, Bibliothek, Wohnheimen und Kapelle auch baulich zusammenführt. In Kooperation mit dem Internationalen Evangelischen Tagungszentrum finden hier heute regelmäßig renommierte wissenschaftliche Tagungen statt. Und durch die Fusion der beiden Standorte Wuppertal und Bethel 2007 rückte die Diakoniewissenschaft neben der Theologie zum zweiten Studienschwerpunkt auf.

Geblieben ist die Unabhängigkeit vom Staat. Bis heute befindet sich die KiHo allein in kirchlicher und diakonischer Trägerschaft. „Diese Unabhängigkeit ist Teil unseres Selbstverständnisses“, sagt Prof. Dr. Konstanze Kemnitzer. „Wir werden auch in Zukunft Orte brauchen, an denen theologische Forschungsfreiheit in Ergänzung zu den staatlichen Fakultäten kirchlich verantwortet und garantiert wird. Die Vielfalt der theologischen Forschungseinrichtungen ist kostbarer Ausdruck unserer demokratischen Verfassung. Dafür sind wir sehr dankbar, denn Forschungsfreiheit ist auch heute keineswegs selbstverständlich.“

Forschungsfreiheit: Universelles Recht und öffentliches Gut

Tatsächlich fällt das 75. KiHo-Jubiläum fast auf den Tag genau mit der „Bonner Erklärung zur Forschungsfreiheit“ zusammen, die die Wissenschaftsminister*innen der Europäischen Union am 20. Oktober verabschiedet haben. Darin unterstreichen sie angesichts der Entwicklungen in vielen Ländern die Bedeutung der Forschungsfreiheit als „universelles Recht“ und „öffentliches Gut“. Zudem verpflichten sie sich, den kritischen Diskurs zu schützen und Verletzungen der Forschungsfreiheit zu ächten.

An der KiHo werden die Lehrenden und Studierenden der Bedeutung einer unabhängigen Forschung und Lehre am Freitag, dem 30. Oktober, um 19 Uhr mit einem virtuellen Dankgottesdienst gedenken, in dem sie u.a. Texte über die Gründung der KiHo in Wuppertal während der Nazi-Diktatur, über die Jahre des Neustarts nach 1945 sowie über die aktuellen Diskussionen um Forschungsfreiheit in Europa und weltweit lesen. Zudem wird es Berichte aus erster Hand darüber geben, wie das Studium an der KiHo die Generationen verbindet. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Das Programm und den Link für die Einwahl finden Sie hier.

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