Claudia Janssen beginnt als Professorin für Feministische Theologie / Theologische Geschlechterforschung und Neues Testament

Ich ermutige euch, Geschwister: Verlasst euch auf Gottes Mitgefühl und bringt eure Körper als lebendige und heilige Gabe dar, an der Gott Freude hat. Das ist euer vernunftgemäßer Gottes-Dienst. Schwimmt nicht mit dem Strom, sondern macht euch von den Strukturen dieser Zeit frei, indem ihr euer Denken erneuert.“ (Röm 12,1-2 in der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache)

janssen_klein„Schwimmt nicht mit dem Strom“ – diese herausfordernden Worte des Paulus sind auch für mein eigenes Berufsleben leitend. Zentral ist für mich, dass es diesen Gottes-Dienst, die Theologie als tätige Rede von Gott, nur im Plural gibt. Wenn ich auf meinen eigenen Werdegang schaue, stelle ich fest, dass es immer ein Weg zusammen mit anderen war. Zwei Jahre vor dem Abitur habe ich Dorothee Sölle auf dem Kirchentag sprechen hören. Sie hat mich als Persönlichkeit begeistert, die Verbindung von politischem Engagement und persönlicher Frömmigkeit. Es war der Kirchentag der lila Tücher mit Demonstrationen gegen Aufrüstung und den Nato-Nachrüstungsbeschluss. Ich habe beschlossen, Theologie zu studieren, zunächst in Kiel und bin dann nach Marburg gewechselt. Anschließend habe ich bei Luise Schottroff in Kassel zum Thema „Elisabet und Hanna. Zwei widerständige alte Frauen in neutestamentlicher Zeit“ promoviert. Von ihr habe ich gelernt die Bibel genau zu lesen. Sie hat gezeigt, was es für christliche Theologien heute bedeutet, das Neue Testament als jüdische Schrift im Kontext des Imperium Romanum zu lesen.

Weitere Stationen waren dann mein Vikariat in der Hannoverschen Landeskirche, eine post-doc-Stelle in einem DFG-Graduiertenkolleg, eine Stelle als Wiss. Mitarbeiterin am Fachbereich Evangelische Theologie der Uni Marburg. „Anders ist die Schönheit der Körper. Paulus und die Auferstehung in 1 Kor 15“, so lautet der Titel meiner Habilitationsschrift, die ich dort verfasst habe. Anschließend habe ich als theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Deutschland gearbeitet und war Studienleiterin am Frauenstudien- und -bildungszentrum der EKD, das 2013 in das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie überführt wurde. Wichtige Projekte dieser Zeit waren die Bibel in gerechter Sprache und das Sozialgeschichtliche Wörterbuch zur Bibel, sowie die Entwicklung eines Fernstudiengangs: Theologie geschlechterbewusst – kontextuell neu denken.

Die Arbeit auf der Grenze zwischen Wissenschaft und kirchlicher Praxis habe ich immer als besonders fruchtbar erlebt. Nun freue ich mich darauf, wieder die Seite zu wechseln und an der Kirchlichen Hochschule unterrichten und forschen zu können. Im Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen und kirchlichen Transformationsprozesse verstehe ich Genderkompetenz und das Bewusstsein für die Vielfalt von Lebensentwürfen als zentral für die Ausbildung zukünftiger Pfarrer*innen. Und ich hoffe, dass es mir gelingt, meine Freude an der Theologie weiter vermitteln zu können.

Suche