Christliches Glaubenszeugnis gegenüber Muslimen? Kontroverse Diskussion innerhalb der Rheinischen Kirche

von Claudia Währisch-Oblau.

Großes Interesse fand am 21. Juni eine Tagung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel zum Thema „Christliches Glaubenszeugnis gegenüber Muslimen“.[1] Mehr als 150 Teilnehmende diskutierten kontrovers über Mission und interreligiösen Dialog.

Pfarrer Christoph Nötzel (GMD) bei der Begrüßung

Pfarrer Christoph Nötzel (GMD) bei der Begrüßung

Die Veranstaltung war Teil eines Beratungsprozesses innerhalb der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), die mit etwa 2,3 Millionen Mitgliedern zu den größten evangelischen Landeskirchen in Deutschland zählt. Die Vorträge der Professoren Johannes Zimmermann (Greifswald), Ulrich Körtner (Wien) und Henning Wrogemann (Wuppertal) stellten heraus, dass Christen und Muslime aufgerufen sind, gemeinsam einen konstruktiven Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten, was jedoch ein Zeugnis für den eigenen Glauben nicht aus-, sondern einschließe.

Anlass zu dieser Tagung war eine bereits 2015 veröffentlichte Arbeitshilfe der rheinischen Kirche zum Thema Christen und Muslime, die innerhalb der Kirche ein sehr geteiltes Echo hervorgerufen hatte.

Der Neutestamentler und praktische Theologe Johannes Zimmermann betonte in seinem Vortrag über den „Missionsbefehl“ in Matthäus 28, 16-20, dass dieser Text nur ein Ausdruck der insgesamt missionarischen Ausrichtung des gesamten Neuen Testaments sei.

Prof. Dr. Johannes Zimmermann (Greifswald)

Prof. Dr. Johannes Zimmermann (Greifswald)

Der Systematiker Ulrich Körtner sprach über „Offenbarung und Verborgenheit Gottes angesichts der Religionen“ und hielt fest, dass christlich über Offenbarung nicht außerhalb von Jesus Christus gesprochen werden kann.

Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner (Wien)

Prof. Dr. Ulrich H. J. Körtner (Wien)

Der Missions- und Religionswissenschaftler Henning Wrogemann schließlich verwies darauf, dass sowohl Mission wie interreligiöser Dialog von der Liebe Gottes her gestaltet werden müssen und stets auf das Wirken des Heiligen Geistes angewiesen sind.

Prof. Dr. Henning Wrogemann (Wuppertal)

Prof. Dr. Henning Wrogemann (Wuppertal)

In der ausführlichen und mit großem persönlichem Engagement geführten Plenardiskussion zum Abschluss des Tages zeigten sich sowohl Konvergenzen wie weiterhin offene Fragen. So betonten mehrere Mitverfasser der Arbeitshilfe, dass diese nicht als eine Absage an ein christliches Zeugnis gegenüber Muslimen verstanden werden dürfe. Andererseits wurde aber deutlich, dass es unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie dieses Zeugnis aussehen soll und welches Ziel es hat.

Plenumsdiskussion

[1] Die Tagung wurde organisiert von der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (vertreten durch Prof. Dr. Henning Wrogemann) und dem Amt für Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste (GMD, vertreten durch den Leiter, Pfarrer Christoph Nötzel) in Zusammenarbeit mit der Vereinten Evangelischen Mission (vertreten durch Pfarrerin Dr. Claudia Währisch-Oblau, Leiterin der Abteilung Evangelisation der VEM).

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