Twin-Konsultation „Reformation – Bildung – Transformation“: Prof’in. Walz in São Leopoldo, Brasilien

KiHo in Brasilien: Prof’in. Dr. Heike Walz  führte als Moderatorin durch die erste Konsultation zu „Reformation – Education – Transformation“, die vom 19. bis 23. November 2015 auf dem schönen Campus der Lutherischen Theologischen Hochschule Faculdades EST in São Leopoldo in Brasilien stattfand. Welche gesellschaftsverändernde Kraft haben reformatorische Traditionen in den verschiedenen Kontexten? Welche Rolle spielt Bildung für soziale Transformationsprozesse? So lauteten die Leitfragen der Konsultation, die ein Beitrag zum Thema „Reformation und Eine Welt“ in Vorbereitung auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 ist.

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(Foto: Dr. Marcelo Schneider, Ökumenischer Rat der Kirchen)

Die spannende Konferenz auf dem Schnittpunkt von Kirche, Diakonie, Entwicklungszusammenarbeit und Bildung war von intensiven Begegnungen und wechselseitigem Zuhören geprägt. Gottesdienste, Morgenandachten und Gebete begleiteten die etwa 100 kirchlichen Delegierten aus ca. 40 Ländern weltweit auf diesem Weg. Sie kamen aus einer Bandbreite verschiedener, nicht nur protestantischer Kirchen, die an ihren Orten oft in interreligiösen Dialogen, aber auch Konflikten leben.

(Foto: Prof. Dr. Heike Walz, Kirchliche Hochschule Wuppertal-Bethel)

(Foto: Prof. Dr. Heike Walz, Kirchliche Hochschule Wuppertal-Bethel)

 

Den Auftakt bildete ein Exposure-Programm, das die krassen sozialen Lebensbedingungen in den Vororten und Elendsvierteln in Porto Alegre vor Augen führte. In einer Gruppe besuchten wir die Associação do Quilombo dos Alpes Dona Edwirge (https://www.facebook.com/quilombo.dosalpes?fref=ts). Etwa 70 afro-brasilianische Familien leben auf dem Berg Altos do Morro dos Alpes gemeinschaftlich zusammen, bauen ökologische Heilpflanzen an und kämpfen für ihr Recht auf Land, für Schul- und Gesundheitseinrichtungen und ihre religiösen und kulturellen Traditionen. Weitere diakonische, ökologische, Menschenrechts- und Frauenprojekte gewährten Einblicke in engagierte Initiativen und Kooperativen der Evangelisch-Lutherischen Kirche Brasiliens.

Das Besondere der Konferenz war ihre dialogische „Twin-Form“. Sämtliche Inputs wurden von jeweils zwei Personen aus verschiedenen Kontexten gestaltet, so auch die Hauptvorträge: „Reformation und Transformation“ bedeutet in Brasilien, auf der Basis reformatorischer Theologie eine soziologisch fundierte Öffentliche Theologie zu entwickeln. Der missionshistorische Zusammenhang von „Reformation und Bildung“ fordert in China und Kenia dazu heraus, inklusive kontextualisierte (,indigenisierte‘) und geschlechtergerechte Bildungsangebote zu entwickeln, die für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sind.

(Foto: Pfarrer Eckart Warner, Franckesche Stiftungen zu Halle)

(Foto: Pfarrer Eckart Warner, Franckesche Stiftungen zu Halle)

Besonders beeindruckte die intensive Zusammenarbeit in den 15 Workshops zu „Reformatorischen Traditionen und Schlüsselproblemen der Transformation von Gesellschaft und Bildung.“ Auf dem Foto sind die Teilnehmenden des Workshops „Kirchen auf dem Weg zu Versöhnung und heilsamer Erinnerungsarbeit im Angesicht von Diktaturen und Gewaltkonflikten“ zu sehen. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichteten von den mühsamen Schritten der Kirchen im Angesicht der traumatisierenden Gewalterfahrungen in Brasilien während der Militärdiktatur und angesichts der gegenwärtigen Angriffe von Boko Haram, der Schließung von Schulen und dem Notstand in Nigeria.

(Foto: Pfarrer Eckart Warner, Franckesche Stiftungen zu Halle)

(Foto: Pfarrer Eckart Warner, Franckesche Stiftungen zu Halle)

Prof. Dr. Heike Walz war Mitglied der Arbeitsgruppe von reflectors aus Südafrika, Indien, Rumänien, Ägypten und Deutschland, die die Dynamik und Denkprozesse der ganzen Konsultation beobachteten. Ihr gemeinsamer Bericht dient als Brücke zur zweiten Konsultation in Halle vom 18. bis 22. Mai 2016.

Es zeigte sich, dass die historischen protestantischen Kirchen das reformatorische theologische Erbe nicht ,besitzen‘. Es dient manchen anderen Konfessionen und Bewegungen auch als Inspirationsquelle. Angesichts wachsender Gewalt und religiösem Extremismus weltweit kommt den reformatorischen Traditionen als befreiende Botschaft gegenüber religiösen Ideologien, die Angst und Bedrohung verbreiten, aktuelle Relevanz zu. Eine Schlüsselfrage war auch, in welcher Form sie zu peace-making und zur Überwindung globaler Armut und Flucht beitragen.

Das reformatorische Motiv der sich ständig reformierenden Kirche kristallisierte sich als roter Faden heraus. Deshalb wurde „Transformation“ im Sinne der biblischen „Umkehr“ (metanoia) zum Leitmotiv der Konsultation, die auch Schwachstellen und blinde Flecken des sozialen Zeugnisses in Kirchen und Bildungsprozessen kritisch diskutierte.

Gespannt sind wir, wie diese Impulse auf der zweiten Konsultation in Halle weiter vertieft werden. Ein Geheimrezept dieser Konsultation war: Fast alle Gäste waren durch Referate, Moderationen, Workshop-Berichte, inhaltliche Inputs in Paper Sessions, Konsultationsbeobachtungen, Predigten, Übersetzungen und Plenumsdiskussionen aktiv in die Programmgestaltung involviert.

(Foto: Dilceu Witzke, Faculdades EST São Leopoldo)

(Foto: Dilceu Witzke, Faculdades EST São Leopoldo)

Die Twin-Consultation ist das ökumenische Projekt des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland (EMW), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Brot für die Welt (BfW), des Lutherischen Weltbundes (LWB), des Reformierten Weltbundes (RWB), der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Franckeschen Stiftungen zu Halle. Mehr Informationen finden Sie unter http://www.r-e-t.net/root/ und https://www.facebook.com/twin.ret/timeline.

 

 

Prof. Dr. Heike Walz

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