12. Forum Diakoniewissenschaft am 6. November 2015

Diakonie im Spannungsfeld zwischen Kooperation und Wettbewerb

Soziale Dienste müssen sich zunehmend dem Wettbewerb in der Marktwirtschaft stellen. Gleichzeitig sollen sie enger miteinander zusammenarbeiten. Beim zwölften Forum Diakoniewissenschaft am 6. November 2015 in Bethel diskutierten 120 Wissenschaftler und Führungskräfte aus Deutschland ihre Analysen, Positionen und Meinungsverschiedenheiten.

Foto: Die Gastreferenten und Organisatoren der Fachtagung, von links: Professor Dr. Werner Schönig (Katholischen Hochschule NRW), Professor Dr. Hans-Stephan Haas (Evangelische Stiftung Alsterdorf), Professorin Dr. Beate Hofmann (IDM), Professor Dr. Martin Büscher (IDM) und Universitäts-Rektor Professor Dr. Matthias Benad (Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel) - Foto: Alexander Kröger (AKPR, Bünde)

Foto: Die Gastreferenten und Organisatoren der Fachtagung, von links: Professor Dr. Werner Schönig (Katholischen Hochschule NRW), Professor Dr. Hans-Stephan Haas (Evangelische Stiftung Alsterdorf), Professorin Dr. Beate Hofmann (IDM), Professor Dr. Martin Büscher (IDM) und Universitäts-Rektor Professor Dr. Matthias Benad (Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel) – Foto: Alexander Kröger (AKPR, Bünde)

Thema Koopkurrenz

Bei der Fachtagung ging es vor allem um die Balance zwischen Kooperation und Konkurrenz, aber zum Beispiel auch um das diakonische Profil. „Wettbewerb ist nicht nur schlecht, Wettbewerb ist nicht nur gut“, sagte Professor Dr. Martin Büscher vom Institut für Diakoniewissenschaft und DiakonieManagement (IDM) der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel. Es komme darauf an, die Wirkungen und Zwecke der Instrumente wahrzunehmen. Büscher: „Gute Unternehmensführung entscheidet darüber, welcher Art von Wettbewerb Unternehmen sich stellen.“

„Die Politik will, dass die sozialen Dienste miteinander kooperieren und auch konkurrieren“, erklärte Gastredner Professor Dr. Werner Schönig von der Katholischen Hochschule NRW in Köln. Die „Koopkurrenz“ oder englisch „Coopetition“ bezeichne die Vorstellung, das Beste aus Kooperationen und Konkurrenz zu kombinieren. Sie könne positive Wirkungen auf Effizienz und Effektivität, auf Innovation und Kreativität entfalten. Zugleich warnte der Hochschullehrer auch vor möglichen Handlungsblockaden durch Loyalitätskonflikte.

Lebhafte Diskussionen

„Kein Gelingen von Coopetition ohne Organisationsveränderungen“, erklärte Professor Dr. Hans-Stephan Haas von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Unter anderem beschrieb er beispielhaft, dass vermehrt in öffentlichen Ausschreibungen die projektorientierte Kooperation von Unternehmen in der Sozialwirtschaft vorgeschrieben wird. Wer das nicht gewährleisten könne, würde automatisch aus dem Auftrag ausgeschlossen. Haas: „Die Basis einer Zusammenarbeit ist, dass man fair und transparent miteinander umgeht.“ Gleichzeitig warnte er vor einem hohen Abstimmungsbedarf und -aufwand zwischen den Beteiligten, der schnell viel Kraft und Geld kosten könne.

Das Thema „Koopkurrenz“ braucht weiteren Gedankenaustausch, das ist ein Ergebnis der lebhaften Podiumsdiskussion zu regionalen Erfahrungen. Eva-Maria Armbruster vom Diakonischen Werk Württemberg berichtete aus Stuttgart, Peter Nouwens von der Stiftung Prisma aus den Niederlanden sowie Pfarrer Martin Wehn, Theologischer Vorstand der Diakonie Mark-Ruhr, aus dem Ruhrgebiet.

Master- und Promotionsurkunden

Neben dem inhaltlichen Thema wurde für mehrere Studienabsolventen das IDM-Forum auch zu einem persönlichen Erlebnis: Professor Dr. Matthias Benad, Rektor der Kirchlichen Hochschule, überreichte Masterurkunden an neun Frauen und Männer. Dorothea Elgis von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof in Bad Oeynhausen erhielt zusätzlich eine Auszeichnung für ihre besonders gelungene Masterarbeit.

Außerdem überreichte der Rektor feierlich die Promotionsurkunden zum Doktor der Diakoniewissenschaft (Dr. diac.) an Michael Bartels vom Pommerschen Diakonieverein in Greifswald und an Diakonin Lieseltraud Lange-Riechmann von der Diakonischen Stiftung Wittekindshof. Professorin Dr. Beate Hofmann vom IDM bekundete in ihrer Laudatio „höchsten Respekt“ für die erbrachten wissenschaftlichen Leistungen.

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(Quelle: IDM)

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