Reformationsgeschichte in Brasilien – Prof. Zschoch auf Vortragsreise in Brasilien

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Unter dem Oberthema „Reformation und Politik“ hielt Dr. Hellmut Zschoch (Professor für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel) im Oktober Vorträge vor Pfarrerinnen und Pfarrern der Ev.-luth. Kirche in Brasilien. Die Symposien wurden an drei Orten in verschiedenen Synoden (= Kirchenkreisen) von der theologischen Fakultät in São Bento do Sul (bei Curitiba) vorbereitet: Sie fanden in São Bento, in Pelotas (ganz im Süden Brasiliens) und in Ibiraçu (bei Vitória nördlich von Rio) statt.

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Hellmut Zschoch sprach über Luthers Wahrnehmung und Deutung der Obrigkeit, über den „linken Flügel“ der Reformation zwischen Aufstand und Rückzug und – für die weitere Öffentlichkeit – über Impulse der Reformation für das Verhältnis von Christen und Politik in der Gegenwart. Die deutschen Vorträge wurden von einem Kollegen unmittelbar ins Portugiesische übersetzt. Die weiteren Vorträge der brasilianischen Theologen hatten die Anwendung reformatorischen Politikverständnisses im Kontext der gegenwärtigen politischen Konstellationen und Diskussionen in Brasilien zum Thema.

Besonders die aktuelle Korruptionskrise in Brasilien und die Enttäuschung der in die sozialistische Regierung gesetzten Hoffnungen sorgte für hochengagierte Diskussionen. Die reformatorische Unterscheidung von Religion und Politik mit ihrer Einschärfung der Nächstenliebe als Grundregel politischen Handelns und der Gewissensbildung als Aufgabe der kirchlichen Verkündigung fand in diesem Zusammenhang besondere Beachtung.

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Die kleine lutherische Kirche mit etwa 700.000 Mitgliedern in ganz Brasilien geht vor allem auf deutsche Einwanderer des 19. und 20. Jahrhunderts zurück. Prof. Zschoch war beeindruckt vom  warmherzigen Empfang und der großen Gastfreundschaft. Die kleine Fakultät in São Bento do Sul (außerdem gibt es die größere lutherische Hochschule in São Leopoldo) erinnerte ihn äußerlich in manchem an die (frühere) KiHo. Auch in dem Bemühen, Kirche, Frömmigkeit und Wissenschaft in Spannung zusammenzuhalten, nahm er eine große Nähe war – auch wenn die Grundorientierung dort deutlicher vom Pietismus und konservativen Positionen geprägt ist. „Ich blicke dankbar auf diese reformatorisch-ökumenische Reiseerfahrung zurück und hoffe, dass die geknüpften Verbindungen bleiben“, sagte Hellmut Zschoch nach seiner Rückkehr.

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