Semestergruß des Rektors zum Wintersemester 2015/16

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Studienanfänger,

Matthias Benadich grüße Sie zum Wintersemester 2015/16, das bis zum 31. März 2016 dauern wird. Sein erster Tag, der 1. Oktober 2015, steht unter der Losung aus 1. Mose 24,7:  Der Herr wird seinen Engel vor dir her senden. Diese Worte sagte der altgewordene Abraham zu seinem obersten Knecht, als er ihn losschickte, um ihn in der früheren Heimat eine Braut für Sohn Isaak aussuchen zu lassen. Abraham bestand darauf, dass der Oberknecht die zukünftige Schwiegertochter herbringen sollte in die Fremde und ermahnte ihn: „Bringe meinen Sohn nur nicht wieder dorthin!“  – also in das Land, aus dem Abraham ausgezogen war. Schon damals sorgten Migranten für Nachzug in verheißene Länder, unter anderem mit Ehearrangements.

In diesem Sommer wurden auf dem Campus in Wuppertal vor dem Internationalen Tagungszentrum drei barocke Figuren aus Wuppertal-Ronsdorf aufgestellt, die von ihrem bisherigen Eigentümer hierhin gestiftet wurden, weil er anderswo schwer Platz für sie fand. Sie stellen die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob dar und werden für uns eine stetige Erinnerung  daran sein, dass Wanderbewegungen, wie sie gerade das Land und den Kontinent verändern, zum Kernbestand unserer geschichtlichen und geistlichen Tradition gehören. Und wir werden daran erinnert, dass Wege unumkehrbar werden.

In Bielefeld-Bethel, dem anderen der zwei Standorte unserer Hochschule für Kirche und Diakonie, wurden im September 2015 zehn Masterarbeiten im Fach Diakoniemanagement angenommen.  Aus einer von ihnen habe ich gelernt, dass Wuppertal 1970 eine Stadt mit 417 Tausend (T.) Einwohnern war, von denen 255 T. oder 61 % der Evangelischen Landeskirche im Rheinland angehörten.  2014 hatte die Stadt 351 Tausend Einwohner, von denen 30 % evangelisch waren, nämlich 105 T. Die bisherige demographische Entwicklung lässt die ziemlich zuverlässige Prognose zu, dass es 2050, wenn Sie, unsere Studienanfänger im Herbst 2015, ein Lebensalter um Mitte 50 erreicht haben werden und sich auf die letzten zwölf bis fünfzehn Dienstjahre im Pfarramt einstellen  (sofern Sie denn diesen Beruf ergriffen haben werden und Gott Ihnen schenkt, dass sie leben), ­- dass es zu diesem Zeitpunkt noch etwa 50 T. Evangelische in Wuppertal geben wird. Was das in Prozenten ausgedrückt heißt, hängt davon ab, ob die Stadtbevölkerung wieder stärker wachsen wird, wofür es womöglich Anzeichen gibt. Überdurchschnittlich viele Evangelische werden aber wohl nicht zuziehen. Da lohnt es sich doch im Studium, aber auch anderswo, darüber nachzudenken, wie die Kirchen, Kirchenkreise und diakonischen Werke und Unternehmen sich in den nächsten Jahren entwickeln könnten, welche Rollen Theologisches Zentrum und Kirchliche Hochschule spielen sollten, und wie die Beziehungen zu anderen Konfessionen und Religionen im politischen Gemeinwesen sich entwickeln könnten.

Aufgaben gibt es genug, und wir gehen zuversichtlich in dieses Semester. Es wird eine Juniorprofessur zu besetzen sein, es wird über die Zukunft der Hochschule und ihre Finanzierung verhandelt werden und wir werden uns mit Hochschulstrukturen zu befassen haben.  Außerdem hat im Theologischen Zentrum Wuppertal mit Herrn Otten ein Interims-Manager Einzug gehalten, dessen Aufgabe es ist, nach langer Leitungsvakanz die zusammengeschmolzene Verwaltung rundherum und dauerhaft zu ertüchtigen, nicht zuletzt zum Wohle der Hochschule. Das sind doch Perspektiven! Und dazu wird uns am ersten Semestertag der Satz gesagt, mit dem damals der Oberknecht Abrahams auf seine schwierige Mission geschickt wurde: Der Herr wird seinen Engel vor dir her senden.

Einen guten Start ins Wintersemester 2015/16 wünscht Ihnen der Rektor der Hochschule für Kirche und Diakonie
Matthias Benad

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