1. Zur scholastischen Theologie des späten Mittelalters.
Schwerpunkte sind Editionen und Untersuchungen zur spätscholastischen Theologie. Ein erstes Editionsprojekt ist bereits im Jahre 1981 abgeschlossen worden zum Sentenzenkommentar des Pariser Augustinermagisters Gregor von Rimini († 1358): Gregorii Ariminensis OESA, Lectura super Primum et Secundum Sententiarum. Bd. 1-7, hg.v. A.D. Trapp (Spätmittelalter und Reformation, Texte und Untersuchungen). Berlin 1979-1986.
Gregor gehört zu den heute kaum noch bekannten, damals jedoch außerordentlich profilierten Vertretern `moderner´ Theologie, die darum bemüht waren, den wissenschaftlichen Standard Wilhelms von Ockhams mit dem Programm einer Erneuerung der Theologie des antipelagianischen Augustin zu verbinden. Das besondere Interesse an dieser theologischen Tradition besteht in der Problemstellung, inwieweit der gregorische Augustinismus auch die Theologie des jungen Luther beeinflußt hat.
Ein weiteres, laufendes Projekt zur scholastischen Theologie ist die Edition des Sentenzenkommentars des Marsilius von Inghen († 1396). Marsilius, der Gründungsrektor der Universität Heidelberg, ist außerordentlich verbreitet als Philosoph, weniger als Theologe. Dennoch ist seine Theologie ein Ausweis der Anfänge deutscher Wissenschaftsgeschichte, die man üblicherweise der `via moderna´ zurechnet. Tatsächlich bietet sein Sentenzenkommentar auf der Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert eine Normaltheologie, die auf den Ausgleich der scholastischen Schulen bedacht ist. Der Sentenzenkommentar des Marsilius ist zum ersten und einzigen Male im frühen 16. Jahrhundert gedruckt worden: Quaestiones Marsilii super quattuor libros Sententiarum. Straßburg (Martin Flach) 1501, Nachdruck, Frankfurt 1966.
Die moderne Edition, deren Text auf der Basis der handschriftlichen Überlieferung konstituiert wird, erscheint im Verlag Brill, Leiden.
2. Zur politischen Geschichte der Reformation
Im Vordergrund des Interesses der letzten Jahrzehnte stand das Forschungsthema `Stadt und Reformation´. Über die sogenannte Fürstenreformation war das Urteil längst gefällt: Sie ist undemokratisch von oben aufgepreßt. Dieses Urteil entspringt den Erfahrungen der Moderne und ist wenig dazu angetan, ein historisch getreues Bild des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit zu gewinnen. Es gibt weder Reformen noch Reformationen und erst recht keine Gegenreformationen ohne die politischen Entscheidungen der Fürsten.
Eine erste Forschungsaufgabe ist erreicht mit der Grundlegung zur fürstlichen Reformideologie des späten Mittelalters, vor allem im thüringisch-sächsischen Bereich. Das nächste Arbeitsziel ist die Untersuchung der Politik fürstlicher Förderer wie Gegner der Reformation bis zum ersten Speyerer Reichstag 1526.
3. Zur Theologiegeschichte der Reformationszeit
Die geistesgeschichtliche Forschung ist konzentriert auf die Hauptgestalten der Reformation, vernachlässigt werden aber deren sogenannte Nebengestalten und auch deren Gegner - sie bleiben der `römisch-katholischen´ Forschung überlassen. Zu den Vernachlässigten gehört etwa Johannes von Staupitz, an dem sichtbar wird, daß die Themen der neuen Theologie nicht von Luther erfunden sind, sondern zum Diskussionsarsenal der Zeit gehören. Ebenfalls aus dem theologiegeschichtlichen Blickfeld ist Johannes Eck geraten. Unter den Deutschen ist er der entscheidende Gegner Luthers, der eben nicht nur Kampfprogramme zu entwerfen wußte, sondern eine Theologie verfochten hat, die später auf dem Konzil zu Trient als `vollkatholisch´ dogmatisiert wurde.